Die Welt der Düfte – Nicht eine sondern viele

(c) TU Berlin/Dahl - Menschen aus unterschiedlichen Kulturen interpretieren Gerüche auch unterschiedlich.

(c) TU Berlin/Dahl - Menschen aus unterschiedlichen Kulturen interpretieren Gerüche auch unterschiedlich.

Wenn uns etwas “stinkt”, haben winzige Moleküle unsere Nasenschleimhäute erreicht und aktivieren einige der rund 20 Millionen Riechzellen. Etwa 350 Grundgerüche und viele graduelle Geruchsvarianten kann der Mensch so wahrnehmen.

Sie wirken unmittelbar auf das Gefühlszentrum im Gehirn, wecken Ängste, Erwartungen, sogar Liebe, schlagen Alarm und beflügeln die Fantasie. Doch nehmen alle Menschen auf der Welt Gerüche auf die gleiche Weise wahr? Oder ist, was EuropäerInnen als lieblichen Duft empfinden, für AfrikanerInnen eine abscheuliche Provokation seiner Nase und warum ist das so?

“Die bisherigen Forschungen zeigen, dass gleiche Geruchsstoffe bei Versuchspersonen gleicher Herkunft unterschiedliche Reaktionen auslösen können”, erklärt TU-Psychologe Arnold Groh, “doch es gibt auch Geruchsstoffe, die unabhängig von der Herkunft die gleiche Reaktion auslösen.”

Arnold Groh leitet die Arbeitsstelle “Structural Analysis of Cultural Systems” (S.A.C.S.) an der TU Berlin, die sich mit psychologischen und soziologischen Strukturen unterschiedlicher Kulturen beschäftigt. Er sucht nach den psychologischen Grundlagen menschlicher Kultur, nach Übereinstimmungen und Unterschieden überall auf der Welt.

Mit einer Studie zur Olfaktorik, der Wissenschaft von den Gerüchen, will er dem Phänomen von unterschiedlicher Geruchswahrnehmung auf die Spur kommen. Er reist an verschiedene Orte der Welt – oft sind Studierende dabei -, im Gepäck ein Set von zwölf Sticks, die Grundgerüche verströmen.

“Banane”, “Blume”, “Lakritze”, “Benzin” oder “Meeresbrise” sind zum Beispiel Begriffe, die EuropäerInnen einfallen, wenn sie an den Sticks riechen. “Ein Falsch oder Richtig gibt es dabei nicht”, erklärt Groh. “Denn wer noch nie eine Meeresbrise gerochen hat oder Benzin nicht kennt, wird schwerlich einen solchen Begriff verwenden.”

Mit ihrer Vermutung, dass die Geruchswahrnehmung auch von der Kultur abhängt, sind die WissenschaftlerInnen auf einer heißen Spur. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Menschen aus verschiedenen Erdteilen die Düfte der Sticks als vertraut oder weniger vertraut wahrnehmen.

Und nicht nur das. Sogar im gleichen Land kann, abhängig vom Wohnort, die empfundene Intensität variieren. Einen überwiegend als unangenehm charakterisierten Duft nehmen zum Beispiel StädterInnen sehr viel intensiver wahr als DörflerInnen. Interessant sind die Ergebnisse durchhaus auch für Marketing-ExpertInnen.

Die Olfaktorik-Studie der TU-Kulturpsychologen ist eingebettet in einen umfangreichen, weltweiten Kulturvergleich, in dem außerdem die Verständigung mittels Gesten untersucht wird, das unterschiedliche Verständnis von Piktogrammen sowie die unterschiedliche Wahrnehmung von Farben. Um ihre Ergebnisse zusammenzuführen und forschungsrelevante Schlüsse zu ziehen, arbeiten die KulturpsychologInnen unter anderem mit LinguistInnen und SemiotikerInnen zusammen.



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